Wir gehen in den harten Lockdown


Eigentlich wollte ich hier nicht schon wieder über Corona schreiben. Das habe ich kürzlich erst in meinem anderen Blog getan.

Sydney ist ja schon seit sechs Wochen im Lockdown. Und wir haben uns gefragt, warum denn in Newcastle noch nichts angekommen ist. Schließlich ist es bis nach Sydney nicht sehr weit und außerdem gibt es einige Pendler.

/48-lockdown/48-01.jpg

Jetzt ist es also so weit: Es wurden hohe COVID19-Konzentrationen im Abwasser von Newcastle und Lake Macquarie gefunden und das bedeutet, dass hier jemand mit COVID19 unterwegs ist. Australien hängt ja sowieso stark mit dem Impfen hinterher (hier im Staat New South Wales sind bisher nur 20 Prozent vollständig und 40 Prozent zumindest einmal geimpft, was auch damit zu tun hat, dass nur ältere Menschen - ab 60 Jahren - den AstraZeneca-Impfstoff bekommen und Pfizer schwer zu bekommen ist).

Die Impfquote ohne Impftermine erhöhen?

Das ist gerade schon eine widersinnige Situation: Einerseits höre ich immer, dass wir mit allen Mitteln die Impfrate erhöhen sollten (die politische Opposition schlägt vor, jedem 300 Dollar zu geben, der bis Anfang Dezember zwei Mal geimpft ist), andererseits ist es schwierig überhaupt geimpft zu werden. Ihr könnt hier meine noch immer andauernde Odysee lesen. Am Samstag werde ich geimpft. Bin gespannt, ob das nicht noch abgesagt wird.

/48-lockdown/48-02.jpg

Das lag heute als Beilage in unserer Tageszeitung. Hier wird angeregt zu Impfen. Viele würden es tun, wenn es nur die Gelegenheit dazu gäbe.

Denn man kann sich hier auf wenig verlassen: In der Nachbarschaft wurde ein großes Impfzentrum eröffnet. Am Mittwoch wurden dann 5.500 Impfdosen nach Sydney geschickt, dass damit Abiturienten geimpft werden. Es mussten 5.500 Menschen kontaktiert werden, die schon einen Impftermin hatten. Das bringt nicht gerade Freude.

Mit ALDI-Impflogistik wären wir schon alle durchgeimpft

Die australische Regierung bekommt gerade ziemlich Gegenwind zum Thema Impfen. Sie hätte das besser an ALDI ausgelagert. Die hätten das ruckzuck erledigt. Gleich an der Kasse. Es gibt doch immer ein paar Sekunden zwischen Kreditkarte oder Handy zücken, Einscannen und der Bestätigung des Geräts.

Ich bin mir sicher, dass das fingerfertige Kassenpersonal auch gleich noch impfen könnten (jaja, das ist kein medizinisches Personal, war ja nur eine nicht ernsthaft gemeinte Idee. Aber trotzdem: Die Regierung hätte sich ja vom ALDI-Logistikmanager beraten lassen können).

Der Beweis im Supermarkt: Wir Menschen lernen nichts

Vor schickte mir meine Frau ein WhatsApp mit einer klaren Anweisung: LOCKDOWN AB 17 UHR - GEH EINKAUFEN. Ich habe daraufhin alles liegen und stehen gelassen und bin zum Jewells Plaza gefahren. Dort gab es schon bürgerkriegsähnliche Zustände.

Der Parkplatz war zum Platzen voll, mir kamen schon Menschen mit vollgestopften Einkaufswägen (voller Klopapier - lernen die Menschen eigentlich nicht?) entgegen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich etwas schlapp vorbereitet war. Ich hatte nur zwei Taschen mit, die auch schnell voll waren.

Hauptsache den Wagen voller Klopapier

Wahrscheinlich wäre das ein separater Eintrag wert, aber es ist schon interessant, was die Menschen so als „essential“ sehen: Ein Mann hatte den ganzen Einkaufswagen voller Bratwürste, eine andere Frau hatte etwa die Hälfte des Wagens mit Kartoffelchips (und etwa 200 Rollen Klopapier) gefüllt. Klopapier war natürlich schon ausverkauft, auch die Bananen und Äpfel waren schon weg.

In der letzten Minute meines viertelstündugen Schlangestehens bekomme ich eine Nachricht von meinem Sohn („Wir gehen in einen harten Lockdown - kauf viel Süßigkeiten!!!“). Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. War mir nicht so wichtig. Also was tun? Ich wollte ja jetzt auch nicht meinen Top Spot direkt vor der Kasse verlieren und mittlerweile hatte die Schlange auch schon eine Länge wie eine Polonäse durch Blankennäse erreicht. Ich konnte also nur noch zwei Packungen TimTams an der Kasse mitnehmen. Ich bekomme also Ärger…

Der harte Lockdown startet in vier Stunden

Wir gehen also nun in der nächsten Woche in einen harten Lockdown. Was das genau heißt, weiß ich noch nicht. Aber es wird Homeschooling gehen, die kleine Schule auf der Terasse in Jewells hat also wieder geöffnet…