Wenn Haie, Gockel, Tiger und Adler in Isolation sind...


Australier lieben ihre Verkürzungen: Handwerker sind “tradies”, Feuerwehrleute “firies”, morgens frühstücken die Australier “brekkie”, abends “snitty” (Schnitzel) und man trifft sich gerne “arvo” (afternoon, also nachmittags).

In den letzten paar Wochen sind einige neue Worte hinzugekommen: “The Rona!” (Corona - muss immer mit einem Ausrufezeichen geschrieben werden: “Rona!"), “sanny” (hand sanitizer), “magpies” (Elster - die Supermarktauflader) und “in iso” (in Selbstisolation). Also: “We all gonna get the Rona! And there’s no sanny… bloody magpies!”

Für den australischen Premierminister Scott Morisson gibt es auch eine Abkürzung: ScoMo. Seit einer Woche wird er hier aber nur noch “ShkyMo” genannt. Und das ging so: Vorletzte Woche Samstag kündigte an, dass ab Montag alle Sportveranstaltungen ohne Zuschauer stattfinden sollten. Warum erst Montag? Weil am Sonntag seine heißgeliebten “Cronulla Sharks” spielten.

Morisson ist ein ausgesprochener Rugby-Fan (“National Rugby League”, nicht “Australian Football League”, das ist was anderes, dazu irgendwann mal mehr) und man sieht ihn immer wieder im Stadion mit einem unvorteilhaft passenden hellblauen Trikot und einer komischen Baseballkappe, die nicht so richtig zur Brille passt.

Jedenfalls fragten ihn die Reporter, warum er nicht sofort alles abbläst? Und er sagte: Er hatte sich so auf das Spiel gefreut und das wolle er nun auch gucken. Wahrscheinlich sei es für eine Weile das letzte Spiel.

Ich fand das ganz sympathisch. Damit signalisierte er ja nur: Schaut her, ich bin einer von Euch, ich bin ein Mensch; ein australischer Bloke, der ohne sein Rugby nicht kann! Und deswegen sollte es auch stattfinden, sagte er. So easy. An diesem Samstag wurde aus dem “ScoMo” ein “ShkyMo”.

Als dann letzte Woche Samstag die Entscheidung anstand, ob die NRL (mit den Sharks) nun endgültig den Spielbetrieb aussetzen sollte, hielten sich ShkyMo und die NRL zurück. Die Sharks! Die sollten doch wenigstens im Fernsehen zu sehen sein, zur Not auch ohne Zuschauer auf der Tribüne. Aber Moment mal, ist Rugby nicht ein klassisches “Contact game” bei dem man ständig im Schwitzkasten eines gegnerischen Spielers steckt oder gleich von sieben bis acht Spielern willenlos auf dem Boden niedergestreckt wird?

Wenn Ihr mich fragt: Mir ist es egal, ob die NRL spielt oder nicht. Ich verstehe das Spiel sowieso nicht. Aber ich will nicht, dass wir der italienischen Ansteckungskurve folgen

Heute morgen hörte ich im Radio, dass die NRL tatsächlich darüber nachdenkt, alle (!) NRL-Teams irgendwo in den Norden Australiens zu einem Army-Standort zu fliegen, um da in aller Ruhe und in Massen-Iso die Serie zu Ende zu spielen. So als eine Art Rugby-Dschungelcamp mit möglichst wenigen Schlangen. Die Sharks, die Roosters, die Knights, Tigers, Storms und Eels wären schon nett zueinander, hieß es. Eine gesunde Männergemeinschaft ohne lästige Rona. Aber mit Victoria Bitter.

Aber nicht nur das: Könnte das nicht auch ein Modell für die Bundesliga sein? Alle Teams ziehen in eine kleine, von Viren verschonte Stadt im Mecklenburger Seenland und spielen die Liga aus als wäre nichts gewesen - alles für die nächste Ausschüttung der Fernsehprämien? Eine schöne Geschichte. Sky sendet kostenlos und die Einschaltquoten sind Bombe. Weil jeder zuhause ist und niemand mehr den Brennpunkt sehen mag.

Doch dann musste ShkyMo zurückrudern: Auch die NRL muss nun pausieren. ShkyMo ist also momentan eher ShkyNo und darf sich als ScoMo auf die nun auch in Australien hochschaukelnde Krise konzentrieren.

Für die Datenanalysten unter Euch: Wir sind nun bei 1.600 Infizierten und ab morgen sind unsere drei Grundschüler zu Hause im Home Study. Wahrscheinlich sind wir auch bald in Iso. Hoffentlich bleibt die Rona! Weg.